Inhalt: Eine Nacht in Los Angeles: Eher aus Zufall befreit der ängstliche Neal eine junge Frau aus der Gewalt eines Serienkillers. Zum Dank dafür schenkt sie ihm ein Armband, das magische Kräfte besitzt. Mit seiner Hilfe kann man in die Körper anderer Menschen eindringen – fühlen, was der andere fühlt, spüren, was der andere denkt. Doch was zunächst ein prickelndes Erlebnis zu sein scheint, verwandelt sich für Neal schnell in einen Alptraum.
Richard Laymon: Der Gast
(OT: Body Rides, 1996) Heyne 04/2012; ISBN: 978-3-453-43531-5; Seiten: 748; Übersetzung: Marcel Häußler; Ausstattung: Tb, von Laymon kommentiert Bibliographie
Ich bin sehr verwirrt. Ich könnte Stein und Bein schwören, diesen Roman schon einmal in einer weit kürzeren Fassung gelesen zu haben. Ich habe allerdings keine Ausgabe in meinen Regalen gefunden, ich habe es in keiner Anthologie gefunden und im Internet bin ich nach – zugegeben nicht allzu intensiver Suche – auch nicht darauf gestoßen. Sehr irritierend.
Auf jeden Fall hatte ich beim Lesen ständig dieses deja vu und gleichzeitig meinte ich mich zu erinnern, dass die kürzere Fassung besser war. Der Gast ist leider ein ziemlich schwaches Buch. Es ist langatmig, schweift ständig unkonzentriert in sinnlose Nebenepisoden ab und hat mit Neal einen unglaubwürdig irrationalen, geradezu idiotischen Protagonisten zu bieten.
Das Buch ist bei weitem nicht so hart wie man es von anderen Laymon Titeln gewöhnt ist, dafür ist der Roman geradezu schmierig voyeuristisch. Das wäre ja in Ordnung, wenn bloß der Protagonist irgendwelche sympathischen Gefühle wecken würde, aber mehrere hundert Seiten lang die Handlungen eines blöden Arschlochs zu beobachten – sorry – das nervt ziemlich.
Ich liebe Laymon, aber dieses Buch ist eine herbe Enttäuschung. Es macht den Eindruck, als hätte Laymon selbst nicht gewusst, in welche Richtung er seine Geschichte vorwärtstreiben sollte und so ist ein wirres Stückwerk aus Episoden entstanden, von denen die Hälfte weniger nicht geschadet hätte.
Nun denn, auch einem guten Autor kann mal ein unterdurchschnittliches Buch passieren und wenn dann der Vertrag es erzwingt, muss man dieses Ergebnis eben abliefern. Laymon hat zeit seines Lebens sehr viele und sehr gute Bücher geschrieben. Es ist zwar schade um diesen Titel, aus dessen Idee man wirklich einen mitreißenden Thrill hätte fabrizieren können, aber davon geht die Welt nicht unter.
Nachschub wartet und daran werden wir uns erfreuen. Der Gast ist eine Enttäuschung – vielleicht insofern wieder interessant, weil man anhand dieses Romans im Vergleich zu anderen seiner Titel sehen kann, was schiefgelaufen ist. Lehrreich.
Kurz gesagt:
- viel zu ausufernd
- wirr und langatmig
- unsympathischer Protagonist
Fazit: Muss nicht sein
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